
Am 4. Juni, Fronleichnam, war es wieder so weit: eine Gruppe Gütersloher Bürger fuhr in unsere Partnerstadt Châteauroux. Es waren 23 Personen, teils alte Hasen, die schon mehrfach mitgefahren waren, aber auch neue Teilnehmer. Man war sich nicht fremd, denn es hatte einen Vorbereitungsabend gegeben. Die Hinfahrt verlief reibungslos mit Gesprächen, lesen und Kartenspielen. Ankunft war planmäßig gegen 19.00 Uhr. Wie üblich wurde die Gruppe von den Gastgebern erwartet, der erste Abend wird traditionsgemäß in den Familien verbracht. Einige Teilnehmer haben im Hotel übernachtet, die gemeinsam essen gegangen sind. Am Freitag begann das gemeinsame Programm.
In diesem Jahr lag der Schwerpunkt der Besichtigungen in der Region südlich von Châteauroux. Keine Weinfelder, keine Ziegenfarmen, dafür Regionalgeschichte. Wir waren in Argenton-sur-Creuse, etwa 30 km südlich von Châteauroux und haben dort ein gallo-romanisches Museum und ein Hemdenmuseum besichtigt. Kern des gallo-romanischen Museums ist eine alte gallische Siedlung, die dann um Christi Geburt von den Römern übernommen und ausgebaut wurde. Bei den Grabungen hat man festgestellt, dass an dieser Stelle schon sehr viel früher Menschen gelebt haben. Die Lage war offensichtlich sehr günstig, am Rande wildreicher Wälder und an einem Fluss als Verkehrsweg.
Man hat ein Museum entworfen, in dem die örtliche Menschheitsgeschichte über zwei Millionen Jahre erlebbar werden sollte. Das Museum ist dreistöckig, der Rundgang beginnt oben mit der römischen Zeit und taucht über die Stockwerke immer tiefer in die Vergangenheit ein. So wie die ausgestellten Funde auch übereinander in der Erde gelegen haben. Außerhalb des eigentlichen Museums wurden noch Quellen der ehemaligen Wasserversorgung und ein Amphitheater gefunden, deren Reste liebevoll restauriert sind.
Die Führung war etwas Besonderes, extra für uns: Kein professioneller Führer sondern der Vorsitzende des Fördervereins. Natürlich hat er mit viel Engagement und Herzblut das Museum und die Geschichte geschildert. Unsere Gruppe war allerdings eigentlich zu groß für die baulichen Gegebenheiten des Museums. Wir sind ja während des Aufenthaltes immer mit unseren Gastgebern zusammen, daher waren wir mehr als 30 Personen. Wahrscheinlich haben deshalb nicht alle die Erklärungen unseres Führers mitbekommen. Aber man hatte Zeit, selbständig die Ausstellungsstücke zu betrachten. Außerdem sind die Einzelheiten vielleicht auch nicht so wichtig. Was bleibt ist der Eindruck einer Jahrtausende alten Siedlungsstätte und eines interessant gemachten Museums.
Dann ein kurzer Fußmarsch zu einem besonderen Restaurant. Das Gebäude ist gestiftet von einem Bürger der Stadt, dem Betrieb werden Menschen mit Beeinträchtigungen ausgebildet, so etwa wie bei uns im Flussbetthotel. Unsere Gruppe waren die einzigen Gäste, willkommen geheißen vom ehemaligen Mitglied des Stadtrates, der auch schon im Rahmen des Austausches in Gütersloh war.
Nachmittags dann Zeit für einen kurzen Stadtbummel durch Argenton-sur-Creuse und als Abschluss das «Museum der Hemdenproduktion und der männlichen Eleganz». Das Gebäude steht mitten in der Stadt – unser Busfahrer war gefordert – direkt am Fluss. Hier wurden um 1880 gleich zwei Hemdenfabriken gegründet, durch eine hohe Mauer getrennt, die "Industriespionage" verhindern sollte. Diesmal wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt, um der Führung besser folgen zu können. Im technischen Teil konnten wir die ersten Nähmaschinen sehen und einen Eindruck bekommen, unter welchen Bedingungen die Näherinnen damals arbeiten mussten. War schon Fließband.
Der Modeteil zeigt, wie "Man/n" sich früher gekleidet hat, zumindest in bürgerlichen Kreisen. Sah für mich nicht sehr bequem aus. Ich ziehe mein T-Shirt vor.
Für den Abend war kein gemeinsames Programm vorgesehen. Wir haben ihn in unseren jeweiligen Gastfamilien verbracht. Die Hotelgäste konnten gemeinsam essen gehen oder auf eigene Faust die Stadt erkunden. Der Tag war ein schöner Start in unseren Aufenthalt. Das Museum war auch für diejenigen neu, die schon oft in Châteauroux gewesen sind. Auf der Busfahrt und zwischen den Führungen war viel Gelegenheit, mit alten Bekannten zu plaudern und neue Teilnehmer und Gastgeber kennen zu lernen.